www.freedom-of-thought.de
www.psychiatrie-erfahrene.de
www.antipsychiatrie.de
www.irren-offensive.de
www.iaapa.ch
www.foucault.de
www.initiative-selbstbestimmung.de
www.vo-vo.de
www.weglaufhaus.de
www.amnesty.de
www.greenpeace.de
www.umsonstladen.info
www.gegeninformationsbuero.de
www.gegenstimmen.de
www.indymedia.org
www.stressfaktor.squat.net
www.berlinvonunten.net
www.biopiraterie.de
www.biolandbaumschule.de
www.bioland.de
www.lebensmittelkooperativen.de
www.cineoffensive.tk
www.raw-ev.de
www.dissidentenfunk.de
www.die-bpe.de

 

 

Rückzug meines Kunstwerks!

Zum Thema: Ausstellung Biennale MEINE WELT . . . Künstlerinnen und Künstler, die anders sind

Biennale MEINE WELT . . . Eine diskriminierende Ausstellung

Organisatoren: Museum Junge Kunst und Wichernheim (Frankfurt an der Oder)

Ausschreibungstext:

"Zielgruppe:
Menschen, die in Deutschland auf dem Gebiet der bildenden Kunst tätig sind. Aus ihrer Vita geht hervor, dass sie aufgrund einer mehrfachen Behinderung, ihrer psychosozialen Situation oder in einer anderen Form in ihrem gelebten Leben zu einer Personengruppe gehören, die einen besonderen Blick auf die sich ihnen darstellende Wirklichkeit haben."


Ansprache von Roman Breier auf der Vernissage der Biennale MEINE WELT Nr.5 am 13.03.2005; Rückzug des Kunstwerkes von dieser diskriminierenden Ausstellung:

Mein Name ist Roman Breier.
Ich bin einer der ausstellenden Künstler.
Bei der Biennale MEINE WELT handelt es sich meiner Ansicht nach um eine diskriminierende Veranstaltung. Wir Künstler werden als Menschen ausgegrenzt, indem wir als "anders" bezeichnet werden.
Wir werden als Künstler diskriminiert, indem wir z.B. im Katalog dieser Ausstellung kein einziges Mal Künstler genannt werden.

Durch die Ab- und Ausgrenzung einzelner Menschen vom großen Rest der Bevölkerung durch ihre Etikettierung als "anders", gepaart mit der Zuweisung einer pseudomedizinischen psychiatrischen Diagnose wird ihre Diskriminierung möglich, wie sie in der psychiatrischen Praxis mit ihren alltäglichen Menschenrechtsverletzungen wie Freiheitsberaubung, Zwangsfixierung und Körperverletzung durch zwangsweises Verabreichen von gesundheitsschädlichen psychiatrischen Drogen stattfindet.

Diese Ausstellung will integrieren, sie bleibt aber in dem vorherrschenden stigmatisierenden Schema gefangen. Die Kunstwerke haben allein gemeinsam, dass sie von Künstlern geschaffen wurden, die "anders" sind als der Rest.
Die hier ausstellenden Künstler werden allein unter diesem Kriterium zusammengefasst und damit isoliert. Die ehrende Erwähnung Prinzhorns ist eine unerträgliche Beleidigung für die Künstler dieser Ausstellung, da dieser das Schaffen von "Geisteskranken" bewusst nicht als Kunst, sondern als "Bildnerei" bezeichnete und gleichzeitig mit seinen Werken wie "Gemeinschaft und Führertum - Ansatz einer biozentrischen Gemeinschaftstheorie" und "Bildnerei der Geisteskranken" ideologische Grundlagen für das NS-Regime formulierte, in dem bekanntermaßen als "geisteskrank" diagnostizierte Menschen als "lebensunwert" bezeichnet und ermordet wurden und, weitergedacht, in dem Bau und Betrieb der Mordfabriken in Polen und dem Völkermord an den europäischen Juden, Sinti und Roma gipfelte.

Die Bezeichnung der Kunst als "entartet" führte zur Verfolgung vieler anderer unliebsamer oder systemkritischer Künstler.

Es ist außerdem eine Beleidigung für Jean Dubuffet, im Zusammenhang dieser Ausstellung genannt zu werden, da doch er es gerade war, der sagte:
"Es gibt ebenso wenig eine Kunst der Geisteskranken, wie es eine Kunst der Magen- oder Kniekranken gibt."
Er weigerte sich, bei der Einordnung von Kunst in irgendeiner Form vom Künstler statt vom Werk auszugehen, und in seinem Aufsatz "ART BRUT" schrieb er:
" … fast die Hälfte der Objekte in unserer Ausstellung sind Werke von Insassen psychiatrischer Kliniken. Dennoch sehen wir es nicht ein, wie es andere tun, eine spezielle Abteilung für sie einzurichten."

Aus diesen genannten Gründen ziehe ich mein Kunstwerk aus dieser Ausstellung zurück und fordere meine Kollegen dazu auf, das Gleiche zu tun.

Alternativ werden meine und andere Werke ab dem 18.3. im Werner-Fuß-Zentrum in Berlin zu sehen sein. Genaueres wird in den nächsten Tagen auf der Homepage www.anomalie-international.de zu erfahren sein.



Beschreibung der Ausstellung auf der Homepage des "Museums Junge Kunst"
(Quelle: www.museum-junge-kunst.de/html/fr_progr.htm):

Arbeiten von geistig Behinderten, Psychiatrieerfahrenen und Outsidern aus Deutschland - Malereien, Arbeiten auf Papier, Gedichte, Plastiken und Installationen - Ein Projekt des Wichernheims Frankfurt an der Oder e.V. und des Museums Junge Kunst

Aus über dreihundert eingesendeten Bildmappen oder Einzelfotos fiel die Auswahl auf 35 Teilnehmer.
Sie kommen aus bekannten Städten wie Köln, Berlin, Kassel, Münster, Göttingen, Kiel, Lutherstadt Eisleben, München oder weniger bekannten wie Riedstadt, Rickling, Kleinmachnow, Kempten, Bernau (bei Berlin), Regen oder Herrenberg.
Sie leben in Kliniken, in Heimen, werden beraten und betreut durch soziale Stationen oder verbringen ihre meiste Zeit allein oder im Kreis der Familie und haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen für ihre Arbeitsbedingungen.
Doch gemeinsam ist ihnen die schöpferische Gabe und das Getriebensein, ihre innere oder äußere Welterfahrung sichtbar zu machen.
Wie bisher wird seitens des Projektes kein Thema vorgegeben und es werden auch keine Preise oder wertende Hierarchien verteilt.
Wie zu erwarten, war die Anzahl der höchst eigenwilligen Bilder von der sichtbaren Welt da draußen und von dem unsichtbaren Seelenchaos da drinnen viel zu hoch, als dass alle in dieser Ausstellung gezeigt werden konnten.
Deshalb musste eine Auswahl nach rein künstlerischen Kriterien erfolgen.
Dabei ging es weder um die Bebilderung einer Behinderten- oder Krankengeschichte noch um die Dokumentation von Gestalttherapie.
Und nicht wenige Einsender die diesmal nicht dabei sein konnten, erhielten den schriftlichen Hinweis, dass sie sich unbedingt wieder für die kommende Biennale in Frankfurt (Oder) bewerben sollten.
Wie in den ab 1997 organisierten Biennalen sind diese authentischen und eigenwilligen Bilder, Plastiken, Installationen, Collagen und ebenso Gedichte überhaupt nicht in eine stilistische Kategorie einzuordnen.
In den fast dreihundert Werken begegnen uns unter anderen surreale Seelenpein, naiv-farbprächtige Porträts sowie dekorative Landschaftsschilderungen, expressive Psychogramme auf heraufziehende Ängste, hoch akkurat gezeichnete Ornamente, naturalistische Popstarinterpretationen und Protokolle traumatisierender Kindheitserlebnisse.
Versponnenes, Groteskes sowie Heiteres prallen auf Dunkles, Verwirrendes und Schmerzhaftes. Das Leben in all seinen Schattierungen prägt ihre Empfindungen scheinbar unmittelbar und ohne Vorwarnung.
Der von uns mühsam aufgepinselte soziale und illusionäre Lack auf die kalt und menschenverachtend wirkenden Konsum- und Leistungsgesellschaft erfährt eine unwiederbringliche Beschädigung.
Diese in Deutschland einmalige Biennale bildet eine Plattform für Arbeiten, deren Ursprünge in der Seele, in den Träumen, Hoffnungen, Enttäuschungen und in verdrängten Gefühlen zu finden sind.
Im heutigen Betriebssystem Kunst fehlt augenscheinlich dieser Aspekt fast vollständig.
Als großer, offener Rahmen für diese Kunstäußerungen werden gern die Begriffe von der Outsiderart, von der Art brut (Jean Dubuffet) oder von einer zustandsgebunde-nen sowie authentischen Kunst oder ähnliche Etikette verwendet.
Sie versuchen ein Phänomen des unmittelbaren (?) Schöpferischen zu umreißen, das seit dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts nicht nur Künstler und Fachleute in den Bann gezogen hat.
Denn hier entsteht etwas, das der französische Maler und Kunstsammler Jean Dubuffet in den Vierzigerjahren mit den Begriffen des Antikünstlerischen und des nicht Professionellen zu beschreiben versuchte.
Seitdem haben sich die Theorien weiter entwickelt und der Blick ist viel differenzierter geworden. Schon längst ist diese Kunst zum Stammgast im Betriebssystem Kunst geworden und dennoch bleibt sie ein geheimnisvolles Ereignis.
Die Biennale Meine Welt in der Spätrenaissancehalle sowie in dem hochgotischen Festsaal des Museums Junge Kunst in Frankfurt (Oder) bietet die Gelegenheit, sich diesem zu stellen."

Kurator und Verfasser des Textes:
Armin Hauer
( stellvertretender Direktor des Museums Junge Kunst)

 

Mein Brief an Armin Hauer vom 16.01.2005:

(Als ich in den ersten Tagen diesen Jahres den Katalogstext vorliegen hatte, forderte ich umgehend die Herausnahme des diskriminierenden Textes, in dem wir Künstler kein einziges Mal Künstler genannt wurden, aus dem Katalog der Ausstellung. Dies war doch ganz im Stile des Buchtitels "Bildnerei der Geisteskranken" von dem Psychiater und Naziideologen Hans Prinzhorn, der das Wort Kunst bewußt nicht für diesen Personenkreis und sein "gestalterisches Bemühen" verwandt sehen wollte.
Meine ausführliche Begründung meines Anliegens kündigte ich bis spätestens zum 16.01.2005 an.)

Sehr geehrter Herr Hauer,

ich danke Ihnen für die schnelle Antwort auf mein Schreiben vom 06.01.2005. Auch will ich Ihnen für die Zusendung der Kopie des neuen Vorwortes von Gerhard Roth zu "Die Bildnerei der Geisteskranken" danken, dem Buch, das Hans Prinzhorn 1922 verfasste, das mir jedoch Frau Witzleben einige Tage zuvor schon geschickt hatte.
Weiterhin freut es mich, dass Sie keine Ausgrenzung anstreben und möchte Ihnen für Ihr nun schon länger als zehn Jahre andauerndes Engagement "für eine Integration der Arbeiten von Outsidern, von geistig Behinderten und von Psychiatrie-Erfahrenen in den Zusammenhang der Gegenwartskunst" danken, welches mir sehr lobenswert erscheint.
Umso dringlicher und wichtiger wird es sein, die Chance wahrzunehmen, die Ausstellung auch in ihrer Ausrichtung, Beschreibung und in ihrer Darstellung in der Öffentlichkeit jetzt und in Zukunft diskriminierungsfrei und "betroffenenorientiert" zu gestalten.
Ihnen und Frau Witzleben erschließt sich hiermit auch die Möglichkeit, wie ich in ähnlicher Form bereits erwähnte, avantgardistisch eine Ausstellung zum Nutzen und nur zum Nutzen Betroffener zu organisieren.

Einige Antworten auf Ihr Schreiben vom 11.01.2005 werden Sie aus meiner Begründung zu meinem Schreibens vom 06.01., die in diesem Schreiben auch angekündigt ist, herauslesen können.

Begründung der Forderung auf Herausnahme Ihres Textes aus dem Katalog der "Biennale "Meine Welt"" die angeblich weder durch ihre Präsentation noch als Hintergrund ihrer Ausrichtung (nach Ihrer und Frau Witzlebens Darstellung zu urteilen) die Absicht noch den Wunsch verfolgt, die Beteiligten zu diffamieren und zu diskreditieren:

Vielleicht sollte ich erst einmal einige Worte über die Vorgehensweisen und "Behandlungsformen" aus Betroffenensicht schreiben, damit Sie, der, bitte verbessern Sie mich falls ich falsch liege, weder Psychiater sind, noch die Psychiatrie als Insasse selbst "erlebt" haben, sich einmal ein Bild machen können.
Danach werde ich auf die in Ihrem Vorwort zur "Biennale"Meine Welt" Nr.5" verwendete Sprache und auf die national-sozialistischen Hintergründe des Psychiaters Hans Prinzhorn, sein Leben und sein "Lebenswerk" eingehen.

Die Psychiatrie ist ein machthungriges, hierarchisch organisiertes System.
Mit ihren pseudowissenschaftlichen und in der Art der Wortschöpfungen und Wortbedeutungen an dem medizinischen Vokabular angelehnten "Diagnosen" will die Psychiatrie krampfhaft Teil der Medizin sein, die jedoch Patienten nur, mit "informed consent" behandelt.
Doch anhand verleumderischer Diagnosen, die objektiv jedoch gar nicht nachzuweisen und zu belegen sind, da es sich bei diesen "Krankheiten" um Formen von Gedanken und seelischen Problemen handelt, beraubt die Zwangspsychiatrie immer und immer wieder Menschen ihrer Menschenrechte und ihrer Würde, indem sie Betroffene gegen ihren Willen und ohne dass sie eine strafbare Handlung begangen hätten, der Freiheit beraubt, körperliche Gewalt auf sie ausübt und mit giftigen, nachhaltig schädigenden, die Psyche verändernden, psychiatrischen Drogen zwangsweise "abspritzt".
Zusammen mit dem Geständnisziel Krankheitseinsicht (ohne welche man eine Psychiatrie so schnell nicht wieder verlässt und welche als nachträgliche Rechtfertigung der "Behandlung" erzwungen wird) erfüllt die Zwangsbehandlung alle Kriterien der Folter, welche von den Vereinten Nationen (UN) als solche festgelegt wurden.
Das zwangsweise Verabreichen von "mind altering drugs" wird immer, sogar bei der derzeit weltweit laufenden und zu bedauernden Diskussion über die Aufweichung des absoluten Folterverbots zum angeblichen "Schutze" der Bevölkerung, immer als schwere Folter definiert.

Falls man mal klar dargelegt haben möchte, welche Willkür das psychiatrische System und die damit verbundene "Diagnostik" darstellt, zitiere ich Prof. Dr. Hirsch aus Bonn, der, als einziger eingeladener Psychiater, in der ersten Anhörung zur Reform des Betreuungsrechts am 26. Mai 2004 in Berlin sagte : (Textteil aus dem Protokoll der Anhörung:)
"Aber die andere Seite ist letztendlich, dass mit der Diagnose enormes Schindluder getrieben wird. Einer ist ein bisschen verwirrt, altersstarr, macht nicht das, was ich will, schon ist er dement."
An anderer Stelle:
"Die höchste Korrelation (der Diagnosen; Anm. meinerseits) gibt es zwischen den Klinikchefs und in einer Klinik. Ansonsten muss man bei vielen psychiatrischen Diagnosen sehr vorsichtig sein"

Vielleicht hilft es Ihnen ja weiter zu wissen, dass Sie nur einmal mit Ihren "Sorgen" zum Psychiater zu gehen brauchten, oder in Folge einer bösartigen Verleumdung bei dem Vormundschaftsgerichts von Seiten eines missgünstigen Nachbarn zur "Zwangsbegutachtung" bei einem Psychiater "vorgeführt" werden können, um dann, ganz von dessen Laune abhängend als "dement", "schizophren" oder anderweitig "krank" abgeurteilt und daraus folgend entrechtet, entwürdigt und zwangsbehandelt werden zu können.

Und fallen Sie bitte nicht der Täuschung zum Opfer, die seelischen "Krankheiten" seien das Ergebnis von "Stoffwechselstörungen" im Gehirn.
Der Beweis für "Stoffwechselstörungen im Gehirn" wurde in Testreihen bei "Insassen" in den Psychiatrien ermittelt, bei denen Stress und die langfristige Einnahme psychiatrischer Drogen ohnehin schon einen Großteil des allseits erwähnten und in seinen Wechselwirkungen sehr empfindlichen "Hormonhaushaltes" zerstört hat.
Im Gehirn wird deshalb nach den Ursachen "gesucht", weil nur dann mit einer biologisch-wissenschaftlicher Theorie "abweichendes Verhalten" erklärt werden kann, wenn der Geist seinen Sitz im Gehirn hat und so lokalisiert nach Ursachen gesucht werden kann.
Früher hat man zu solcher biologisch begründeter "Beweisführung" angefangen die Köpfe der "Abartigen" zu vermessen.
Heute behauptet die moderne biologisch orientierte Psychiatrie wieder, irgendwelche Erbfaktoren, nämlich sogenannte "Kandidatengene" für angeblich "psychische Krankheiten" gefunden zu haben und damit wiederum versucht, Erbhygiene zu begründen.
Habe ich mich klar ausgedrückt?

Zu dem Text, den Sie als Einleitung für den Katalog geschrieben und geplant haben.
Es lässt sich für mich schwer nachvollziehen, weshalb Sie die Künstler an keiner Stelle Ihres Textes als "Künstler" bezeichnen, sondern sie nur als "Teilnehmer" und im weiteren Verlauf des Textes als "sie" bezeichnen.
Zur Sprache ist folgendes anzumerken.
Die Ausgrenzung der Künstler wird durch Benutzung eines erschreckenden und entsetzlichen psychiatrischen Vokabulars dokumentiert.
Hierbei ist zu erklären, dass die Ausgrenzung und die Vernichtung der modernen Kunst und ihrer Künstler, auch einige Künstler der sog. "Prinzhornsammlung" sind Opfer des Mordens der Ärzte im Zuge der sog. T4-Aktion (Vernichtung "unwerten" Lebens) geworden, bei einer Fortführung des Faschismus in Deutschland nach 1945 die Folge der Pathologisierung eines Teiles der Kunst und ihrer Schöpfer gewesen wäre.
Denn eingesperrten und entrechteten Menschen ihre Kunstwerke zu rauben ist die eine Seite.
Diese Kunst aber als "Bildnerei der Geisteskranken" hinzustellen, sie nicht mit dem Namen der Urheber zu bezeichnen, sondern mit so genannten "Diagnosen" zu versehen und in Folge darauf (das, und auch nur das, mag nicht Prinzhorns Werk gewesen sein) diese gesamte Kunstform als "entartet" hinzustellen und zusammen mit "Negerkunst" und "Kinderkunst" in eine "Gestaltungs"-Ecke zu stellen (Carl Schneider; Nachfolger von Hans Prinzhorn) ist die Andere.
Weitergedacht hätte dieser Vorgang zu einer Bedrohung und sogar Vernichtung der Modernen Kunst und der modernen Künstler geführt, die logische Weiterführung der Gedankengänge der Nazis.

1. Pathologisierung der Kunst ("Geisteskranker") => "gesunde" Kunst und "kranke" Kunst (hat zur Vernichtung behinderter und "geisteskranker" Menschen geführt)

2. Übertragung der Beurteilung aller Kunst nach kunstwissenschaftlichen (und, von Prinzhorn "erfunden":) psychologischen Gesichtspunkten => Einteilung der etablierten Kunst, ihrer Künstler und ihrer Kunstwerke in "gesund" und "entartet".

3. Vernichtung aller modernen Künstler im Einflussgebiet des Faschismus um den "Volkskörper" von der "Entartung" zu befreien und durch "Zucht" einen "gesunden" deutschen "Volkskörper" formen.

Zur weiteren Recherche sollten Sie einmal den Text lesen, den Carl Schneider als Eröffnungsrede zur Ausstellung "Entartete Kunst" geschrieben hat und den Sie im Internet unter folgendem Link finden:

http://www.psychiatrie-erfahrene.de/eigensinn/carlschneide.htm

Oft unbekannt ist, dass das ganze Massenmorden der Nazis in den Psychiatrien mit der "Vernichtung unwerten Lebens" seinen Anfang nahm.
Die Vernichtung von Menschen jüdischen Glaubens begann erst, nachdem die Gaskammern in den Psychiatrien schon zwei Jahre in Betrieb waren und die Körper "geistig Behinderter", "körperlich Behinderter" und Psychiatrie-Erfahrener in den Krematorien der Vernichtungs-Zentren Deutschlands zu Asche verbrannt waren.

Unterstellt, Hans Prinzhorn sei kein Nazi gewesen, so hat doch er als Erster zusammen mit seinem Vorgesetzen die Pathologisierung der Kunst begonnen und hat armen, entrechteten, entwürdigten und mit täglicher Folter konfrontierten Menschen das einzige genommen (gestohlen; da eine rechtmäßiger Eigentumsübertragung nie stattgefunden hatte), das ihnen in ihrer Misere noch geblieben war, nämlich ihre selbst geschaffenen Kunstwerke.
Perfiderweise um ihre Kunstwerke mit ihren, regelmäßig unter Zwang entstandenen, "Diagnosen" zu versehen und damit Kunst zu kränken, eben zu pathologisieren.

Da Sie, meines Wissens weder Arzt noch Psychiater noch Psychologe sind, ist mir nicht erklärlich, weshalb Sie psychiatrische Begrifflichkeiten und solche Formulierungen, die leicht dahin zu interpretieren sind, weil sie auf Leiden und Qual im Gegensatz zu einem "gesunden" unbeschwerten Leben hinweisen, in Bezug auf Kunst und Künstler zum Ausdruck bringen, wie zum Beispiel:
- "..manisch-endlosen Reihen merkwürdiger Chiffren,..."
- "...zwanghaft Körperliches entflieht der harmonischen Mitte."
- "die klamaukigen chaotisch messihaft verstörenden Aktionen von John Bock"
(ausnahmsweise ein Künstler, der außerhalb der Ausstellung steht)
- "süß Morbides, brennig düster Anziehendes überschreiten sehr häufig das Maß einer akademischen Farbauffassung"
Auf die Beispiele, welche latent den Krankheitsbegriff und die psychiatrischen Diagnosen unterstützen werde ich später noch einmal eingehen.

Nun zu dem Psychiater Hans Prinzhorn.
Ihr "Beweis" dass Hans Prinzhorn kein nationalsozialistisch denkender Mann sein kann, weil er Heidelberg schon 1921 verließ, ist nicht schlüssig.
Ob einer in Heidelberg, Dresden oder Frankfurt wohnt, sagt nichts über seine Weltanschauung aus.
Auch das Argument Prinzhorn sei vor Machtergreifung der NSDAP im Jahre 1933 gestorben, sagt auch nichts über sein Gedankengut aus.
Als Nachweis seiner nationalsozialistischen Ideologie, die er durch das Schreiben seiner "Werke" öffentlich machte und zu deren Weiterverbreitung er damit beitrug, enthält das Buch des Kunstwissenschaftlers Dr. Thomas Röske "Der Arzt als Künstler - Ästhetik und Psychotherapie bei Hans Prinzhorn (1886 - 1933)", erschien im Aisthesis Verlags in Bielefeld 1995, eindeutige Beweise.
Eine Sammlung der ungeheuerlichen Aussagen Prinzhorns in seinen zahlreichen Büchern und Texten sind im Internet unter folgendem Link veröffentlicht:

http://www.psychiatrie-erfahrene.de/eigensinn/roeske.htm

Des Weiteren will ich hier aus zwei Quellen zitieren.
Als Erstes ein Zitat aus einer Rede, die René Talbot, der Sprecher von Betroffenen und des prominenten Freundeskreises des "Hauses des Eigensinns", in Paris hielt.
Thema war die Gründung des damals geplanten Museums "Haus des Eigensinns - Museum der Wahnsinnigen Schönheit", in dessen Rahmen auch die "Prinzhornsammlung" gezeigt werden sollte, nachdem der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. als Repräsentant seiner damals ermordeten "Brüder und Schwestern" die Verwaltung und Ausstellung übernommen hätte.
Als Kunstwissenschaftler werden Sie, so hoffe ich, offen sein für Tatsachen, deren Verschleierung sich immer negativ auf alle Betroffenen und auf die auswirken muss, die ihre Augen, wissend oder nichts ahnend, bewusst oder unbewusst vor den Fakten der Geschichte verschließen.

"…Die "Aktion T4" und die so genannte Prinzhornsammlung sind inhaltlich folgenschwer miteinander verquickt. Aber dazu später mehr. Zunächst würde ich gerne ein paar Sätze zu dem Wort "Geisteskrankheit" sagen, damit Sie gleich wissen, daß ich den Begriff nicht akzeptiere. Schließlich hängt eine angemessene Rezeption der Werke für "schizophren" erklärter Menschen eng damit zusammen, was unter "Krankheit" und "Gesundheit" verstanden werden soll.
Eine angemessene Rezeption fällt deswegen so schwer, weil implizit eine Kritik der menschenverachtenden Verhältnisse der Psychiatrie damit einhergeht, die nicht nur in meinen Augen ein Kerkersystem mit Folterregime ist.
Der Ihnen allen wohlbekannte französische Philosoph Michel Foucault hat die wesentlichen Bemerkungen dazu schon 1961 gemacht - ich muß sie Ihnen hier nicht mehr gesondert zitieren.
Der Dreh- und Angelpunkt der Kritik ist dabei der verleumderische und diffamierende Gebrauch solcher Worte wie "Schizophrenie", "manische Depression", "Schwachsinn", usw..
Der amerikanische Psychoanalytiker und Psychiater Thomas Szasz hat ihn folgendermaßen prägnant charakterisiert:
"Schizophrenie", schreibt Szasz, "ist ein strategisches Etikett, wie es "Jude" im Nazi-Deutschland war. Wenn man Menschen aus der sozialen Ordnung ausgrenzen will, muß man dies vor anderen, aber insbesondere vor einem selbst rechtfertigen.
Also entwirft man eine rechtfertigende Redewendung. Dies ist der Punkt, um den es bei all den häßlichen psychiatrischen Vokabeln geht: Sie sind rechtfertigende Redewendungen, eine etikettierende Verpackung für "Müll"; sie bedeuten "nimm ihn weg", " schaff ihn mir aus den Augen", etc.
Dies bedeutete das Wort "Jude" in Nazi-Deutschland, gemeint war keine Person mit einer bestimmten religiösen Überzeugung. Es bedeutete "Ungeziefer", "vergas es".
Ich fürchte, daß "schizophren" und "sozial kranke Persönlichkeit" und viele andere psychiatrisch diagnostische Fachbegriffe genau den gleichen Sachverhalt bezeichnen; sie bedeuten "menschlicher Abfall", "nimm ihn weg", "schaff ihn mir aus den Augen."
Zitiert aus: "Interview with Thomas Szasz" in The New Physician, 1969.
Mit der Kritik des Gebrauchs der psychiatrischen Worte und der damit legitimierten gewalttätigen Praktiken geht letztlich das Verschwinden des ganzen Begriffs der "Geisteskrankheit" einher, gerade dann, wenn es nicht mehr möglich sein wird, die psychiatrische Begrifflichkeit und die Krankheitseinsicht auf der Seite der Betroffenen mit brachialen Mitteln wie Einsperren, Fixieren und zwangsweiser Drogenverabreichung gegenüber den so Stigmatisierten durchzusetzen.
Psychiatrische Verhältnisse in der Gesellschaft, der therapeutische Staat, sind der Ausgangspunkt für eine kolonialisierende Rezeption der Kunst, der auch die bösgläubig erworbenen Werke internierter Künstler anheim gefallen sind, die unter dem Namen des Nazi-Ideologen Hans Prinzhorn in der Universität Heidelberg okkupiert gehalten werden.
Sie sehen also, es geht um ein ganzes Geflecht ineinander verwobener und verschränkter Begrifflichkeiten, die scharf kontrastieren mit Werten wie Menschenrechten.
Im Zentrum stehen die Ausschreitungen eines Ausgrenzungs-, Straf- und Kontrollapparates: der Zwangspsychiatrie.
Lassen Sie mich an dieser Stelle deutlich machen: Allein die Rede vom "kranken" bzw. "gesunden" Geist, mit dem irgendeine Kunst charakterisierbar sei, ist eine Kränkung von Kunst überhaupt.
Hans Prinzhorn, nach dem die Sammlung benannt ist, um die es uns hier geht, ist ein wesentlicher Protagonist dieser Verleumdung und Kränkung, die logisch in den brachialen Rassismus, die Naziideologie, führt.
Tatsächlich war Hans Prinzhorn ein wesentlicher Wegbereiter des ideologischen Umfeldes, das in Gaskammermassenmorden und "medizinischen" Menschenversuchen seinen konsequenten Höhepunkt fand.

Dies ist ein schwerer Vorwurf, der einer Klärung bedarf.
Ich will mit dem einfachsten Teil beginnen, dem Nachweis, daß Hans Prinzhorn ein Nazi-Ideologe war.
Um Hans Prinzhorn selbst zu Wort kommen zu lassen, werde ich Ihnen hier lediglich Zitat an Zitat reihen, um meine These zu belegen.
Dem "Judenproblem" gegenüber gibt Prinzhorn zu bedenken:
"Nur was man vernichten oder versklaven kann, muß Schmähungen erdulden".
Der Titel eines seiner Aufsätze lautet:
"Gemeinschaft und Führertum. Ansatz einer biozentrischen Gemeinschaftstheorie", von "vollständiger Theorie der Gemeinschaft" und dem "Urbild des Führermenschen" ist an anderer Stelle die Rede.
Das "Schicksal dieses prometheischen Führers", der Hitler für ihn ist, sei es, "innerhalb seiner Gruppe auf Grund neuer Erkenntnisse und Ziele die Gemeinschaft zu zersprangen und den Keim zu einer neuen Gemeinschaftsform zu legen".
Und voll Begeisterung: "Sprecht mit allen Menschen vom Nationalsozialismus.
Ihr werdet die Art seiner Verbundenheit mit dem deutschen Schicksal sogleich erkennen".
In seinem Buch 'Psychotherapie' noch hatte er die "faschistische Form" einer "Ethik der mächtigen Masse" mit der von ihm negativ bewerteten "amerikanischen" und "bolschewistischen" gleichgesetzt.
Von Prinzhorn stammt auch der Entwurf des "Idealbildes" eines Übermenschen Arztes, der imstande sein solle, "der ganzen Gesellschaft ein Wohltäter zu werden."
Gegen "die rasend schnelle, in kaum zwei Generationen geschehene Überflutung mit jüdischem Geist" empfiehlt er jedoch statt Kampf eine überzeugendere Selbstdarstellung, nämlich "in Werk und Tat... die dem Judentum unbequemen arischen Eigenwerte auf so hohem Niveau zum Ausdruck zu bringen, daß nur offensichtlich tendenziöse Gehässigkeit noch Angriffspunkte findet".

Für einen vollständigen Überblick der Lingua Tertii Imperii bzw. der Nazi-Sprache von Hans Prinzhorn empfehle ich das Buch von Thomas Röske "Der Arzt als Künstler", dem ich auch die Zitate entnommen habe. Diese Äußerungen sind eine typische Essenz dessen, was Hans Prinzhorn bekannt gemacht hat:
Die Plünderung der künstlerischen Werke psychiatrisierter Menschen für die Gründung eines psychopathologischen Museums. Dabei nutzte er die entrechtete Situation dieser Menschen schamlos aus. Er raubt ihnen, die eingesperrt und entmündigt sind, noch das letzte, was ihnen als Urhebern gehört, ihre künstlerischen Werke.
In der selbstverständlichen Arroganz einer kolonialen Macht gelten für sie keine Gesetze mehr. Statt wenigstens ein schriftliches Einverständnis der Vormünder der Psychiatrisierten einzuholen, werden die Werke einfach von den Herrschern in den Kliniken, den Ärzten, beschlagnahmt. In vielen Fällen wird einfach das Abhängigkeitsverhältnis gefangen gehaltener Patienten ausgenutzt, um sich die Werke angeblich "schenken" zu lassen.
Keine dieser Methoden hat zu einem rechtsgültigen Eigentumsübergang geführt, da es sich um einen bösgläubigen Erwerb gehandelt hat. Eine von dem deutschen Spezialisten in Urheberrechtsfragen Prof. Raue angefertigte Expertise diesen Inhalts wurde inzwischen sogar von dem Ex-Kulturminister Dr. Michael Naumann anerkannt.
Diese Tatsache, daß kein rechtsgültiger Eigentumsübergang der Werke der Sammlung an Hans Prinzhorn stattgefunden hat, wird bislang von den Vertretern und Diskutanten von "Kunst und Wahn" einfach nicht zur Kenntnis genommen. Die Psychiatrie versucht, sie konsequent totzuschweigen. …"
Ganzer Text:

http://www.irrenoffensive.de/paris.htm

Als Zweites zitiere ich die Antifaschistische Initiative Heidelberg, die zu Hans Prinzhorn und seinem Nachfolger Carl Schneider im Rahmen der damals geplanten Eröffnung der "Prinzhornsammlung" wichtige Informationen recherchiert und zusammengetragen hat.

"Die Neueröffnung der "Prinzhornsammlung" gerät zu einer Verhöhnung der KünstlerInnen und zu einer Reinwaschung der Euthanasie-Täter ….

Bei der Sammlung handelt es sich um rund 6000 Kunstwerke von Psychiatriepatientinnen und -patienten, die der Psychiater Hans Prinzhorn in den Jahren 1919 bis 1921 "zusammengetragen" hat.
Während die Sammlung Künstlern wie Paul Klee und Pablo Picasso als Inspiration für ihre eigenen Arbeiten diente, waren ihre Werke für die Nazis willkommene Beispiele für "entartete Kunst" - etliche Exponate fanden sich in der gleichnamigen Ausstellung der Nazis wieder, wo sie mit höhnischen Kommentaren den Bildern anderer moderner Künstler gegenübergestellt wurden.
Wenn heute die Universität Heidelberger und die Organisatoren der "Prinzhorn-Ausstellung" argumentieren, für diese "Auswüchse" sei Prinzhorn, der kurz vor der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Januar 1933 starb, nicht verantwortlich zu machen, so vertuschen sie bewusst, dass Prinzhorn schon vor 1933 ein Teil jener völkischen Bewegung war, die auf die Vernichtung alles "Undeutschen" und "Minderwertigen" aus war.
"Es ist und bleibt grotesk, dass eine einflussreiche, hochintellektuelle Presse es in den letzten Jahren wagen durfte, unser geistiges Leben mit einer zäh und konsequent betriebenen anti-arischen Propaganda zu durchsetzen" schrieb Prinzhorn etwa und wetterte weiter gegen "die rasend schnelle, in kaum zwei Generationen geschehene Überflutung mit jüdischem Geist".
Auf einer Gegenveranstaltung zum Weltkongress der Psychiatrie 1999 erläuterte der Sprecher des Bundesverbandes der Psychatrierfahrenen (BPE), René Talbot, die Motive für Prinzhorns Sammeleifer:
"Was ihn bekannt gemacht hat, ist die Plünderung der künstlerischen Werke psychiatrisierter Menschen für die Gründung eines psychopathologischen Museums.
Dabei nütze er die entrechtete Situation dieser Menschen schamlos aus - eingesperrt und entmündigt raubte er ihnen das letzte, was ihnen als Urhebern gehörte, ihre künstlerischen Werke (...).
Bis heute werden die Werke nicht identifizierter Künstler mit Wörtern wie "Schizophrenie", "Paranoia" und "degenerativer Schwachsinn" diffamiert."

Prinzhorn sah in seinen PatientInnen Objekte, die ihn nicht als Menschen interessierten, sondern vielmehr als TrägerInnen eines zu erforschenden psychopathologischen Syndroms. Dieser biologistische Ansatz fand seine konsequente Fortführung in den Aktivitäten des Neurologen Prof. Carl Schneider und seiner Kollegen, unter deren Leitung die Heidelberger Universitätsklinik zum Motor der Euthanasie wurde.
Als die Euthanasie der Zwangssterilisation folgte, übernahm die Wissenschaft die Leitung des Mordprogramms. Menschen, die nicht in das Schema eines "rassisch homogenen Volkes" passten, sollten vernichtet werden, um das "nationale Erbgut" nicht in Gefahr zu bringen.
Wissenschaftler machten sich die Forschungsmöglichkeiten zu Nutze, die ihnen das Mordprojekt mit dem Namen "Aktion T4" lieferte.
Carl Schneider arbeitete 1942 einer Aktennotiz zufolge an einer "Absterbeordnung für Idioten", seine Assistenten Dr. Schmieder, Dr. Rauch und Dr. Wendt, standen unter der Rubrik "Forschung Heidelberg" auf der Gehaltsliste der "Euthanasie-Zentrale".
Ihre Korrespondenzen sind durchzogen von der Suche nach "geeigneten Gehirnen", die sie sich entweder aus den "noch existierenden Idiotenanstalten" oder direkt aus den Euthanasie-Mordanstalten wie der "Kinderfachabteilung Eichberg", in der behinderte Kinder massenweise durch Spritzen getötet wurden. Schneider nahm sich im Dezember 1945 in der Untersuchungshaft das Leben.
Vielleicht ein unüberlegter Entschluss, machten doch seine Kollegen auch nach 1945 steile Karrieren: Dr. Wendt wurde Professor an der psychiatrischen Uniklinik Heidelberg, Dr. Schmieder, der sich 1944 bei Schneider habilitiert hatte, wurde Eigentümer und Leiter einer der größten neurologischen Rehakliniken in Gailingen (Bodensee-Kreis) und erhielt 1979 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.
Dr. Rauch wurde gefragter Gutachter u.a. in Prozessen gegen politische Gefangene.
Erst der Befangenheitsantrag des Verteidigers von Jürgen Boock, Heinrich Hannover, brachte die mörderische Tätigkeit Rauchs wieder an die Öffentlichkeit.

Nach 1945 wurde es zunächst still um die "Prinzhorn-Sammlung".
Heute, im Jahr 2001, unterstützen die Heidelberger Universität und die Landesregierung Baden-Württembergs ein Ausstellungskonzept ausgerechnet in einem eigens umgebauten Hörsaal der Psychiatrie. Von den Zusammenhängen mit faschistischer Ideologie und dem Krankenmord der Nazis wird der künftige Besucher der "Prinzhorn-Sammlung" nichts erfahren, nicht über Prinzhorns antisemitische Exzesse und auch nichts über die Tatsache, dass einige der ausgestellten KünstlerInnen im Rahmen der T4-Aktion ermordet wurden.
Bettina Brand-Claussen, die im Auftrag der Universität für die Prinzhorn-Sammlung forscht, zieht jedenfalls einen dicken Strich zwischen dem Nazisympathisanten und dem geehrten Kunstsammler Prinzhorn:
"Die Sammlung trägt den Namen Prinzhorns, weil dieser nach seiner erfolgreichen Sammeltätigkeit eine erste, noch heute beachtenswerte Bearbeitung der Werke vornahm".
René Talbot resümiert:
"Die Verantwortlichen betrachten die Kunstwerke noch immer als Patientenkartei, die sie nicht herausgeben wollen. Sie wollen noch immer nicht akzeptieren, dass sie die Kunstwerke bösgläubig erworben haben und die Eigentümerrechte nicht an sie übergegangen sind". ..."

Zu Prinzhorn selbst schreiben sie:

"Hans Prinzhorn wurde 1886 geboren.
1919 kam er als Assistent an die psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg.
Seine Aufgabe bestand dort darin, eine in Ansätzen bestehende Sammlung einer "Lehrsammlung" mit Bildern von PsychiatrieinsassInnen weiterzuführen.
Mit welchem Feuereifer sich Prinzhorn daran machte, sich der Kunstwerke psychiatriesierter Menschen zu bemächtigen, lässt sich drei Jahre später feststellen:
Als Hans Prinzhorn 1921 Heidelberg wieder verließ, war die Sammlung auf ca. 5000 Werke angewachsen.
In seinen psychiatrischen Schriften wird der Arzt als "Idealbild des Nietzscheschen Übermenschen" präsentiert.
Weniger bekannt sind die gesellschaftspolitischen Schriften.
Prinzhorns politisches Denken ist geprägt von Volksgemeinschaftsideologie und Führergedanken.
Die nationalsozialistische Bewegung übt eine große Faszination auf ihn aus.
Eines seiner letzten Werke heisst denn auch "Gemeinschaft und Führertum.
Ansatz zu einer biozentrischen Gemeinschaftstheorie". 1933 stirbt Hans Prinzhorn kurz vor der Machtübergabe an die Nationalsozialisten."
Ganzer Text:

http://www.autonomes-zentrum.org/ai/texte/prinzhorn.htm

Sollte das nicht auch Ihnen zu denken geben?
Und es legt doch die Schlussfolgerung nahe, dass selbst nur die Erwähnung des Namens Hans Prinzhorn in den Ohren gerade der "Betroffenen" ein Schlag ins Gesicht, eine Beleidigung derer ist, welche, hätten sie zu einer anderen Zeit gelebt, ebenfalls als Opfer dieses psychiatrischen Nazi-Denkens mit ihrem Leben bezahlt hätten.
Ich hoffe, ich habe Ihnen mit meinen Ausführungen ein wenig weitergeholfen, sich mit Ihrem Text, den Sie als Vorwort zu dem geplanten Katalog zur Ausstellung "Biennale"Meine Welt" Nr.5", geplant hatten, noch einmal zu befassen und ihn als Ganzes aus dem Katalog herauszunehmen und ihn z.B. durch den Ausschreibungstext zu ersetzen.
Es stellen aus:
"Menschen, die in Deutschland auf dem Gebiet der bildenden Kunst tätig sind. Aus ihrer Vita geht hervor, dass sie aufgrund einer mehrfachen Behinderung, ihrer psychosozialen Situation oder in einer anderen Form in ihrem gelebten Leben zu einer Personengruppe gehören, die einen besonderen Blick auf die sich ihnen darstellende Wirklichkeit haben."

Ich bedauere, dass Sie sich zwar für die Hinweise aus meinem Schreiben bedanken, sie aber im darauf folgenden Halbsatz schreiben, dass Sie "jedoch alle nicht beherzigen können".

Meine Hoffnung ist noch immer, dass Sie sich mit der Ausstellung "Biennale"Meine Welt" Nr.5" nicht in den selben Kontext stellen wollen, in dem damals die "Prinzhornsammlung" als Ausstellung mit dem Namen "Entartete Kunst" durch Deutschland "getourt" ist.
Auch hoffe ich, dass Sie nicht in die selben geschichtsblinden und geschichtsverfälschenden Argumentationsmuster der Universität Heidelberg oder den Ausrichtern und Pressesprechern der Ausstellung "Kunst und Wahn" verfallen und sich damit zum Unterstützer eines Menschen entrechtenden, entwürdigenden und erniedrigenden Zwangssystems machen, das zu allem Hohn auch noch mit dem "Wohl der Betroffenen" begründet wird.

Ich möchte meine Forderung aus meinem Schreiben Ihren Text betreffend nochmals ausdrücklich wiederholen: bitte ziehen sie ihn aus dem Katalog zurück.

Mit freundlichen Grüßen


Roman Breier


P.S.: Im Katalog bitte ich, meine Person betreffend, nur Geburtdatum, Geburtsort und Wohnort zu nennen, nichts weiter.

 

Antwort von Armin Hauer am 18.01.2005:

Als Antwort wurde mir der Erhalt dieses Schreibens bestätigt und ich wurde gebeten "recht bald" Bescheid zu sagen, falls ich keine Teilnahme an der Biennale MEINE WELT wünschte.

Betreffs meines Post Sciptums wurde ich auch völlig arrogant ignoriert.





Zitate:

 

Die heutige Formel für die(se) therapeutische Entmenschlichung durch Infantilisierung läßt sich folgendermaßen umreißen:
"Jeder kann einer psychischen Krankheit zum Opfer fallen. Die psychisch Kranken sind geschäftsunfähig wie Kinder und müssen daher vor sich selbst geschüzt werden; sie sind auch gefährlich wie Verbrecher, und daher muß die Gesellschaft vor ihnen geschützt werden. Bei entsprechender Behandlung ist zu erwarten, daß die psychisch Kranken genesen; daher stellt die Zwangsverwahrung von Personen, die als Psychiatriepatienten gelten, keine Freiheitsberaubung dar sondern eine Methode der Therapie und einen legitimen Schutz, der ihre politische Befreiung (aus den Fesseln der Psychiose) gewährleistet."

Thomas Szasz (Grausames Mitleid)


Aber ein Mann, und noch mehr die Frau, denen vorgeworfen werden kann, entweder etwas zu tun, 'was niemand tut', oder nicht zu tun, 'was alle tun', werden zum Objekt von ebensovielen geringschätzigen Bemerkungen, als ob sie irgendwie schwere sittliche Verbrechen begangen hätten ... Denn wer sich in dieser Hinsicht allzuviel herausnimmt, riskiert etwas Schlimmeres als verächtliche Nachrede - er ist in Gefahr, als irrsinnig klassifiziert zu werden, mit der Folge, daß sein Besitz konfisziert und seinen Angehörigen übergeben wird.

John Steward Mill


Der Irrsinn Psychiatrie ist längst keine Frage mehr von normal oder abnormal, sondern Ausfluss nackter marktwirtschaftlicher Strategien. Diejenigen Menschen werden getroffen, welche keine Lobby haben. Pharmaindustrie und Psychiatrie zielen mit ihren chemischen, physischen und psychischen Fesseln auf Freigeister, Unkonventionelle und auf alle, welche die unablässige Expansion der Wirtschaft nicht als oberste Lebensmaxime verinnerlichen wollen. PSYCHEX setzt Gegengewichte und wirft für die in Not Geratenen einen Rettungsanker der Hoffnung aus.

Christoph Erdös


Wenn ein Mensch aggressiv ist, wütend ist oder tobt, wird die Zeit reif, ein Aufgebot zusammenzutrommeln, das Opfer mit Ledergurten ans Bett zu fesseln und die Giftspritze anzusetzen. Und warum tobt dieser Mensch? Weil er ohne zwingenden Grund seiner Freiheit beraubt wird! Und wer raubt ihm die Freiheit? Die Täter, die ihm das Gift injizieren! Ein Verbrechen krönt das andere. Alltag in der Psychiatrie.

Edmund Schönenberger


Es gibt Studien, die beweisen, dass unsere Wirtschaft immer mehr psychisch Leidende produziert. Um sie wieder "funktionstüchtig" zu machen, isoliert die Anstaltspsychiatrie die "störenden Objekte und zwingt sie zur Anpassung. Sie sieht nicht ein, dass diese Menschen nur gesund auf strukturelle Gewalt und krankmachende gesellschaftliche Bedingungen reagieren. Welche Verrücktheiten! Die Pharmaindustrie schlägt sogar noch daraus Kapital. Bei Novartis stand 1998 das meist verkaufte Psychopharmakon "Leponex" (welches gegen die sogenannte "Schizophrenie eingesetzt wird) an siebter Stelle aller Medikamente. Der Umsatz betrug über eine halbe Milliarde Franken!

Quelle: www.psych-ex.ch